In Spanien gibt es mehr als drei Millionen Menschen, die einer ehrenamtlichen Tätigkeit nachgehen. Drei dieser großherzigen Abenteurer erzählen uns aus eigener Erfahrung, wie sie dazu gekommen sind und wie sie damit positiv auf das Leben anderer einwirken.

Es war ein Tag wie jeder andere. Im Fernsehen wurde in einer Nachrichtensendung über das Drama der Flüchtlinge berichtet und Alberto Agrelo suchte eine Alternative: entweder den Kanal wechseln, um diese erschütternden Bilder von abgetriebenen Menschen am Rande des Erfrierens nicht sehen zu müssen, oder aber vom Sessel aufstehen und sich einmischen.

Dieser 31-jährige Feuerwehrmann entschied sich für die zweite Variante. Er war bereits zwei Mal auf Lesbos gewesen und hat schiffbrüchige Flüchtlinge betreut, die auf unsicheren Booten an die Küste gelangten. Ein anderes Mal half er auf einem Schiff im Mittelmeer und rettete 15 Tage lang Flüchtlinge aus dem Meer. „Ich verbrauche meine Urlaubstage oder wechsel meine Schichten mit einem Kollegen, um dorthin gehen zu können“, erzählt dieser freiwillige Helfer.

Seine bessere Hälfte kommt nicht gut damit zurecht: „Sie vermisst mich, ich opfere unsere gemeinsamen freien Tage. Doch vor allem gehst du an einen Ort, von dem du psychologisch sehr angeschlagen wieder zurück kommen kannst und deine körperliche Unversehrtheit ist in Gefahr. Meine Familie macht sich viele Sorgen, doch sie wissen auch, wie ich ticke. Es ist etwas, was ich machen muss“, sagt Agrelo.

„Das Erlebnis“, fügt er hinzu, „kann man nicht mit Worten beschreiben. Man muss es erleben: Situationen, wie das Aufsammeln von einem aufblasbaren Boot von einem nur drei Tage alten Baby, von Schwangeren, elternlosen Kindern, deren Eltern die Fahrkarte nicht an die Mafias zahlen konnten oder die aber einfach kurz vorm Ablegen getötet wurden, geben dir eine reale Dimension über dieses Drama. Es ist noch viel schlimmer als das, was wir im Fernseher sehen.“

Alberto Agrelo ist einer von mehr als drei Millionen über 14-jährigen Spaniern, die ehrenamtliche Aufgaben erledigen. In den meisten Fällen werden ihnen Unterhalt und Reisekosten erstattet. Ansonsten erhalten sie nicht einen einzigen Cent. Die Krise stellte für diese großartigen Selbstlosen kein Hindernis dar: Seit 2010 stieg die Zahl der Freiwilligen um 18,3 % in Spanien, so heißt es in einem Bericht der Organisation Acción Social.

Die Frage lautet: Was bewegt sie dazu, ihre Komfortzone zu verlassen und bei so etwas mitzumachen? „Eine Krankenschwester beschrieb es damals sehr treffend, als ich in Guatemala arbeitete“, sagt Juanjo Martínez, Direktor der Organisation DOA: „Es ist wie eine noch zu bestehende Prüfung.“ Der 61-jährige Chirurg verließ vor mehr als zehn Jahren seine Arbeit und baute die Organisation auf, um Freiwillige für Aufgaben der gesundheitlichen Versorgung in den ärmsten Gegenden von Lateinamerika zu finden. „Wir entsenden nur Fachleute in das Gebiet: Ärzte, die Menschen behandeln oder operieren können, die keinen Zugang zur medizinischen Grundversorgung besitzen“, erklärt Martínez. Doch er differenziert: „Die Tätigkeit wird nicht nur an den 20 Tagen vor Ort realisiert; Das ganze Jahr über befassen sich die Freiwilligen mit der Ansammlung von Material und Arzneimitteln, mit der Suche nach einer Finanzierung und mit dem Transportmanagement dieser Mittel.“

flor margarita persona mano

Freiwilliger zu sein, bedeutet nicht zwangsläufig, Tausende von Kilometern beschreiten zu müssen. Neben unserem Haus spielt sich ein weiteres Drama ab, das die Krise verschärft und auch unser Land zerstört hat: Personen, die der Gefahr der sozialen Ausgrenzung ausgesetzt sind. „Häufig denken wir, dass es uns nicht treffen wird. Doch die Grenze zwischen einem normalen Leben und der Armut ist sehr viel schmaler, als wir glauben“, warnt Esther de Castro. Die Architektin, Anfang 30, hat bereits Aufgaben als Freiwillige in Tansania und Peru mit verschiedenen Organisationen durchgeführt. Doch ihr einschneidenstes Erlebnis hatte sie in Madrid mit der Organsation Solidarios para el Desarrollo, die Obdachlose betreut. „Wir geben ihnen Informationen darüber, wo sie essen oder die Nacht verbringen können, doch einen höheren Stellenwert hat eine andere Aufgabe“, erklärt De Castro: „Wir geben ihnen das Gefühl zur Gesellschaft zu gehören und nicht außen vor gelassen zu werden, da wir uns sehr um sie sorgen und uns für sie interessieren.“ Der jungen Architektin blieb ein Erlebnis im Gedächtnis mit einem Manager in hoher Position eines multinationalen Unternehmens. Er wurde arbeitslos nachdem seine Firma Konkurs anmeldete. „Er konnte die Situation nicht bewältigen. Seine Frau ließ sich scheiden und seine Familie entfernte sich von ihm. Er hatte Alles und wurde dennoch zu einem Obdachlosen, einem Ausgeschlossenen. Man bekommt eine Vorstellung davon, wie bedeutend das Ehrenamt ist. Das kann uns allen passieren.“

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